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Botnet
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Ein Botnet oder Botnetz ist eine Gruppe automatisierter Schadprogramme, sogenannter Bots. Die Bots (von englisch: robot âRoboterâ) laufen auf vernetzten Rechnern, deren Netzwerkanbindung sowie lokale Ressourcen und Daten ihnen, ohne Einverständnis des EigentĂźmers, zur VerfĂźgung stehen. In Deutschland gab es 2010 Ăźber 470.000 solcher Bots, von denen im Durchschnitt etwa 2.000 pro Tag aktiv waren.cite-ref-1[1] Die Initiative botfrei.de des Verbandes der Internetwirtschaft ECO stellte 2014 bei 220.000 stichprobenartig untersuchten Computern 92.000 verseuchte Systeme mit rund 725.000 infizierten Dateien fest, woraus sich eine Infektion von ca. 40 Prozent aller Computer in Deutschland errechnet.cite-ref-2[2] Laut Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2015 des Bundesamtes fĂźr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wurden im ersten Halbjahr 2015 in Deutschland täglich bis zu 60.000 Systeme neu infiziert.cite-ref-bsi-3-0[3] Betreiber illegaler Botnetze installieren die Bots ohne Wissen der Inhaber auf Computern und nutzen sie fĂźr ihre Zwecke. Die meisten Bots kĂśnnen von einem Botnetz-Operator (auch Bot-Master oder Bot-Herder genannt) Ăźber einen Kommunikationskanal Ăźberwacht werden und Befehle empfangen. Dieser wird in der Fachsprache als Command-and-Control-Server bezeichnet; Kurzform: C&C-Server.
Contents
⢠Anwendungen
⢠IRC C&C
⢠DNS und C&C
⢠Webbasiertes C&C
⢠P2P-Botnetze
⢠FTP-Based C&C
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Anwendungen
Ein Bot stellt dem Betreiber eines Botnetzes je nach Funktionsumfang verschiedene Dienste zur Verfßgung. Derweil mehren sich multifunktional einsetzbare Botnets. Der Botmaster kann so flexibel auf andere EinsatzmÜglichkeiten umschwenken. Grundsätzlich lassen sich die VerwendungsmÜglichkeiten eines Bot-Netzwerks wie folgt unterscheiden:
⢠Nachladen und Ausfßhren weiterer Programme beziehungsweise Aktualisierung des Bots
⢠Angriffe zum Nachteil eines externen Opfersystems
⢠Proxy Proxys bieten die MÜglichkeit, eine Verbindung zu einem dritten Computer ßber den Zombie herzustellen, und kÜnnen damit die eigentliche Ursprungs-Adresse verbergen. Der so geschaffene Zwischen-Host kann dann fßr weitere Angriffe auf andere Rechner genutzt werden. Aus Sicht des Ziel-Computers kommt der Angriff vom Proxy-Host.
⢠Versand von Spam-Mails, insbesondere Phishing-Mails Einige Bots sind auf das Versenden von groĂen Mengen an E-Mail programmiert. Sie bieten Funktionen zum Laden von Mail-Templates, Senden von E-Mails an generierte oder von einem Server abgefragte Adressen und Abfragen von Listings der Zombie-IP in DNSBLs.
⢠AusfĂźhren von DDoS-Attacken und DRDoS-Attacken Viele Bots kĂśnnen DoS-Attacken ausfĂźhren. Meistens stehen dabei verschiedene Methoden wie SYN-Flood oder HTTP-Request-Flood zur VerfĂźgung. Werden diese Attacken von allen Bots im Netz mit der gesamten ihnen zur VerfĂźgung stehenden Netzwerk-Bandbreite gleichzeitig ausgefĂźhrt, so werden auf dem Ziel-Rechner der Attacke Netzwerk-Dienste auĂer Betrieb gesetzt oder die gesamte Bandbreite seiner Anbindung fĂźr Daten von den Zombies benĂśtigt.
⢠Ausfßhren von Klickbetrug Eine weitere MÜglichkeit, ein betriebsbereites Botnetz zum finanziellen Vorteil zu nutzen, wird Klickbetrug genannt. Hierzu nutzt der Betrßger ein Konto bei einem Onlinedienstleister, der seine Werbepartner fßr Klicks auf Werbebanner oder die Vermittlung von Besuchern vergßtet. Der Betrßger nutzt die Bots dazu, die Banner anzuklicken oder die vergßtete Website zu besuchen. Dies geschieht mit den rechnerspezifischen Informationen wie Betriebssystem, Browser und IP-Adresse der gekaperten Rechner und ist somit fßr den Werbeportalbetreiber nicht als Betrug zu erkennen.
⢠Botnetz-interne Angriffe
⢠Zugriff auf lokal gespeicherte Daten durch Einsatz von Sniffern und Password-Grabbern Die privaten Daten der mit Bots infizierten Rechner (Zombies) sind lukrativ. Die meisten Bots bieten MÜglichkeiten, auf lokal gespeicherte Zugangsdaten verschiedener Anwendungen (beispielsweise IE oder ICQ) zuzugreifen. Auf den Diebstahl von Daten spezialisierte Bots bieten auch Funktionen, um Daten aus Webformularen zu lesen, und kÜnnen dadurch Informationen ausspionieren, die in SSL-gesicherten Webseiten eingegeben wurden, darunter beispielsweise auch PasswÜrter oder Kreditkartennummern. Viele IRC-Bots kÜnnen den Netzwerkverkehr des Rechners protokollieren.
⢠Einsatz als Ransomware
⢠Speichermedium fßr die Verbreitung illegaler Inhalte (z. B. Filesharing von geschßtztem Material)
⢠Nutzung der Rechenleistung (z. B. fßr Bitcoin-Mining)
⢠Automatisierung von âOnline-Tasksâcite-ref-4[4]
⢠Preisabfragen in Online-Shops
⢠Erreichbarkeitsprßfung von Websites
⢠Warenbestandspflege
Bot-Nets liefern eine hervorragende Infrastruktur fßr die herkÜmmliche Internetkriminalität. Dies begrßndet auch ihr rasantes Wachstum.
Command-and-Control-Technik
Die weitaus meisten Bots bieten eine KommunikationsmĂśglichkeit mit dem Betreiber des Botnetzes, wobei auch sogenannte Command-and-Control-Server (aus englisch command and control server; kurz C&C-Server oder C2) eingesetzt werden.cite-ref-5[5] Dies umfasst den Abruf von Daten von einem Bot sowie das Verteilen von neuen Anweisungen.
IRC C&C
IRC wurde in den 1990ern zu einer populären Internet-Chat-LĂśsung. Legitime und nĂźtzliche Bots, wie zum Beispiel Eggdrop, wurden entwickelt, um den Anwender bei der IRC- und Kommunikationsverwaltung zu helfen. Diese einfache Technik ist dann zur ersten C&C-Strategie geworden. Bei der Kommunikation Ăźber einen IRC-Channel stellen die Bots eine Client-Verbindung zu einem IRC-Server her. Befehle werden ohne VerzĂśgerung von den Bots ausgefĂźhrt, und der Betreiber erhält sofort eine RĂźckmeldung der Bots. Ein IRC-C&C-Server ist fĂźr einen Bot-Operator sehr einfach zu erstellen und zu verwalten. Ist ein Computer infiziert, versucht der Zombie, sich zu dem IRC-Server und Channel zu verbinden. Wenn die Verbindung erfolgreich war, so kann der Bot-Operator den Bot steuern. Dies kann individuell Ăźber private Nachrichten oder global an alle Zombies innerhalb des Channels erfolgen. Um dies effizienter zu gestalten, erstellen einige Bot-Operator ein âThemaâ fĂźr den Channel, das ein Kommando fĂźr die Bots darstellt, wie zum Beispiel Aktualisierungen oder eine DDoS-Attacke durchzufĂźhren.
Vorteile der IRC-Technik:
⢠Es ist interaktiv: Obwohl es ein relativ einfaches Protokoll ist, ist IRC interaktiv und erlaubt eine Vollduplex-Kommunikation zwischen Client und Server.
⢠Einen IRC-Server zu erstellen ist einfach. AuĂerdem gibt es sehr viele bestehende Server, die man, wenn notwendig, benutzen kann.
⢠Es ist mÜglich, mehrere Botnetze unter Verwendung von einem Server zu erstellen und zu steuern. Funktionalitäten wie Nicknames, Chat Channels, Passwort-geschßtzte Channels etc. ermÜglichen dies.
⢠Es ist einfach, Redundanz aufzubauen, indem man mehrere Server miteinander verbindet.
DNS und C&C
Gefolgt von dem Einsatz von privaten Servern und PasswÜrtern wurden C&C-Techniken immer weiter verbessert. Die erste Technik benutzt mehrere miteinander verbundene IRC-Server, die die gewÜhnliche IRC-Technik verwenden. IRC ist in einer Art und Weise konzipiert, dass mehrere Server miteinander verbunden werden kÜnnen, um ein Netzwerk von Servern zu bilden. Bei der Verwendung dieser Technik werden die Adressen aller Server in den Bot fest eingetragen. Dieser versucht sich dann mit jeder dieser eingetragenen Adressen zu verbinden. Ist eine Verbindung zwischen Server und Client hergestellt, dann meldet sich der Bot an dem Channel an, in dem der Bot-Operator Anweisungen gibt. Fßr Botnetzjäger wird es schwierig das gesamte Netzwerk lahmzulegen, besonders wenn immer wieder neue Server hinzugefßgt werden. Sind die Adressen des C&C-Servers fest in den Bot implementiert, so kann dieser den Server nicht mehr erreichen, wenn die Adressen gesperrt werden. Wie man sieht, hat diese Technik ihre Grenzen, weshalb DNS-Einträge eingefßhrt wurden.
DNS wird unterteilt in Domain Names und Multihoming. Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass bei Domain Names verschiedene Domänen auf die gleiche IP-Adresse zeigen, während bei Multihoming eine Domäne auf mehrere unterschiedliche IP-Adressen verweist.
Die EinfĂźhrung von Domain Names und Multihoming haben die Bot-Herder dabei unterstĂźtzt, die Ausfallsicherheit der C&C-Server zu erhĂśhen.
Webbasiertes C&C
Heutzutage kÜnnen Tools fßr einige hundert Dollar oder weniger gekauft werden. Diese Tools beinhalten meistens an webbasierte Sicherheitslßcken individuell angepassten Schadcode, der nicht von den Antiviren-Programmen erkannt wird, und eine webbasierte Command-and-Control-Engine, die eine Backend-Datenbank zum Speichern von gestohlenen Informationen enthält. Da die Benutzeroberfläche von webbasiertem C&C sehr einfach zu bedienen ist, ist sie bei vielen Bot-Herdern sehr beliebt.
Bots kÜnnen so konfiguriert werden, dass sie wiederholt SYN-Pakete zum C&C-Server schicken, damit der Server die IP-Adressen der Zombies erhält. Mithilfe dieser IP-Adresse kann der Angreifer dem Client verschlßsselte Bot-Kommandos und Daten schicken.
Die Kommunikation ßber HTTP mit einer Webanwendung funktioniert ohne persistente Verbindung, die Bots ßbertragen Daten und fragen nach neuen Befehlen in Intervallen. HTTP-Botnetze erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, da das Aufsetzen der Administrations-Infrastruktur im Vergleich zu einem IRC-Server einfacher ist und die Kommunikation der Bots weniger auffällt.
Manche Botnetze installieren automatisch Reverse Proxys auf den infizierten Systemen, um so den wahren Standort des C&C-Servers zu verschleiern. Dabei reichen die infizierten Systeme die Anfragen mehrfach weiter ähnlich dem Prinzip von TOR.
Webbasiertes C&C hat gegenĂźber der traditionellen IRC-LĂśsung folgende Vorteile:
⢠Im Datenverkehr fĂźr Port 80 verstecken: Fast alle Unternehmen erlauben den TCP-Port 80 fĂźr normale Webaktivitäten Ăźber das Netzwerk. Die Anfragen von Bots zu einer Webseite bleiben unentdeckt. Das ist gegenĂźber IRC- und P2P-C&C-LĂśsungen ein groĂer Vorteil.
⢠âPushesâ anstatt âPullsâ: Bei IRC verbinden sich die Bots mit dem Server und warten auf Instruktionen. Bei Web-C&C verbindet sich der Server mit den Bots. Dies verringert den Datenverkehr zwischen dem C&C-Server und dem Bot und somit die Chance, einen Bot in einem Netzwerk zu erkennen.
⢠Skalierbarkeit und Benutzbarkeit: Ein einzelner Webserver kann mehrere hunderttausende bis Millionen Bots verwalten. Traditionelle IRC-Channel kÜnnen in den meisten Fällen nur mehrere tausende Bots verwalten, bevor diese ßberlastet sind. Darßber hinaus sind webbasierte C&Cs fßr den durchschnittlichen Bot-Operator leichter zu benutzen als die kompliziertere IRC-C&C-Technik, die Selbstprogrammierung erfordert. Heutzutage kann man LÜsungen kaufen, die nicht nur eine Verwaltungsfunktion fßr die Bots, sondern auch ein Verwaltungsprogramm fßr die gestohlenen Daten enthält.
Es gibt zwei Typen von webbasierten Botnets:
⢠Echo-Based: Echo-Based bedeutet, dass der Bot dem C&C-Server seine Existenz meldet.
⢠Command-Based: Command-Based ist ein Webservice bzw. Webapplikation, die helfen soll, ein Botnetz effizienter zu betreiben.
P2P-Botnetze
Peer-to-Peer-Netzwerke wurden durch Dienste wie Musik- und File-Sharing immer populärer. Innerhalb weniger Jahre, nachdem die ersten Bots entstanden waren, begannen Bot-Herder, ihre eigenen P2P-Netzwerke zu erstellen, um Bots zu verwalten. Diese Technik ist eine sehr effiziente MĂśglichkeit fĂźr den Bot-Operator, seine Botnetze ohne eine zentrale Kontrollstruktur zu verwalten. Die Zombies kĂśnnen als Client und Server fungieren, das heiĂt, jeder Knoten kann Befehle erteilen und erhalten. Jeder einzelne Knoten des P2P-Netzwerkes ist fĂźr den Bot-Operator erreichbar, Ăźber den er dann das gesamte Netzwerk kontrollieren kann. Zum Beispiel kann sich der Bot-Operator zu einem Zombie verbinden und diesen zu einer Aktualisierung veranlassen. Dies startet eine Kettenreaktion: Alle anderen Bots in dem P2P-Netzwerk laden die Aktualisierung ebenfalls herunter und synchronisieren sich gegenseitig entsprechend der Konfigurationsdatei, die der Hacker in die Zombies eingespielt hat. Einen Angreifer in so einer verteilten P2P-NetzwerklĂśsung zu identifizieren, ist praktisch unmĂśglich. Andererseits kann ein einfacher Peer andere Bots finden. P2P-Netzwerke sind generell leichter anhand des Netzwerkdatenverkehrs zu erkennen, den die Zombies generieren.
FTP-Based C&C
Wie mit vielen anderen Protokollen wurde auch mit FTP als Control Channel experimentiert. Heutzutage ist diese Art nicht oft vorzufinden. Jedoch gibt es einen Bottyp, der regelmäĂig einen FTP-C&C-Bericht erstattet, und zwar der Phishing- oder Banking-Trojaner. Diese Bots, wie zum Beispiel Dumador oder Haxdoor, sind grundsätzlich Keylogger, mit dem Unterschied, dass sie sehr viel umfangreicher sind. Sie Ăźberwachen (âsniffingâ) den Datenverkehr, wenn der Anwender auf dem kompromittierten System im Internet surft. Betritt der Anwender eine verschlĂźsselte Webseite (HTTPS), dann fĂźhren sie einen Man-in-the-Middle-Angriff am Computer selbst aus. Da dieser Angriff in der Opfermaschine selbst stattfindet, wird sie auch oft Man-on-the-Inside-Angriff genannt. Der Bot präsentiert dem User eine gefälschte Webseite. Mit dieser Technik ist es mĂśglich, Authentifizierungsdaten etc. aufzuzeichnen. Die gestohlenen Daten werden dann auf einen FTP-Server hochgeladen, wo sie der Bot-Operator warten kann. Bot-Operator erstellen meist ausfĂźhrliche Statistiken Ăźber die Daten sowie ihre Herkunft.
Die Top-10-Länder, in denen 2008 Botnet Command-and-Control-Server identifiziert werden konnten, waren:cite-ref-6[6]
⢠Vereinigte Staaten: 16.774
⢠Deutschland: 3.909
⢠China: 2.998
⢠Russland: 2.960
⢠Kanada: 2.388
⢠GroĂbritannien: 1.703
⢠Sßdkorea: 1.151
⢠Frankreich: 985
⢠Malaysia: 857
⢠Japan: 788
Verbreitung der Bots (Spreading)
Das Erweitern eines Botnetzes erfolgt durch Installieren der Bots auf einem noch nicht angebundenen Computer. Um mÜglichst viele Ressourcen zur Verfßgung zu haben, versuchen die Betreiber, eine hohe Anzahl von Rechnern unter ihre Kontrolle zu bekommen. Die Installation erfolgt meistens fßr den Anwender unsichtbar. Während des Betriebs eines Botnetzes kommen immer wieder neue Rechner hinzu, andererseits scheiden solche aus, bei denen der Bot entfernt wurde.
Die Verbreitung findet auf folgenden Wegen statt:
⢠Firmware Die Schadsoftware kann bereits auf Neugeräten vorinstalliert sein, beispielsweise BADBOX auf billigen HDMI-Sticks mit Android-Firmware. Sie lässt sich in diesem Fall auch kaum entfernen.cite-ref-7[7]
⢠Malware Das Installations-Programm des Bots wird per E-Mail an viele Adressen geschickt, und der Empfänger wird dazu aufgefordert, das Programm auf seinem Computer auszufßhren. Mitunter wird auch nur ein Link auf eine infizierte Webseite versandt.
⢠Downloads Der Bot wird als sogenannter Trojaner (eigentlich: Trojanisches Pferd) gebßndelt mit einer Applikation, die der Anwender freiwillig herunterlädt und auf seinem Computer ausfßhrt. Häufig handelt es sich dabei um illegale Programme wie Cracks, Warez oder andere fragwßrdige Software. Immer häufiger werden jedoch auch legale Angebote gehackt und mit einem Trojaner infiziert.
⢠Exploits Die Installation des Bots erfolgt unter Ausnutzung einer Sicherheitslßcke im Betriebssystem, im Browser oder in einer Anwendung auf dem Computer. Bots, die ßber Exploits installiert werden, haben häufig eine Funktion zur automatischen Weiterverbreitung (Computerwurm). Manche Exploits benÜtigen die Interaktion eines Anwenders, wie z. B. das Klicken auf einen präparierten Link, um den Schadcode auszufßhren. Andere Exploits werden beim Aufruf der Seite automatisch ausgelÜst (Drive-By-Infection). Es kommt vor, dass populäre Websites gehackt und mit Schadcode versehen werden oder dass der Exploit ßber ein eingeblendetes Werbebanner von einem anderen Server geladen wird.
⢠Manuelle Installation Der Bot wird nach einem Einbruch in einen Computer manuell auf diesem installiert. Dies kommt vor allem bei Servern zum Einsatz. Durch deren hohe Verfßgbarkeit und die meist gute Netzanbindung lohnt es sich hier besonders, gezielt nach Schwächen zu suchen.
Laut einer Studie von 2008 des Antivirus-Herstellers Kaspersky Lab war jeder zehnte PC Teil eines Botnets. Damit wĂźrden sie eine der grĂśĂten illegalen Einnahmequellen im Internet darstellen.cite-ref-8[8]
Die Jahresstatistik von botfrei.de weist aus, dass 2014 40 % von 220.000 gescannten Rechnern mit Bots infiziert waren. Im Jahresverlauf seien auf mehr als 92.000 verseuchten Systemen knapp 725.000 infizierte Dateien entdeckt worden. Dies sei ein alarmierender Wert und stelle eine Zunahme zum Vorjahr dar.cite-ref-9[9]
Bekämpfung der Botnetze
Allgemein werden vorbeugende MaĂnahmen empfohlen. Eine generelle SchutzmaĂnahme ist zum Beispiel die Wahl von sicheren KennwĂśrtern fĂźr Router, Netzwerke und vernetzte Geräte im Internet der Dinge. Das Bundesamt fĂźr Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt zum Beispiel auch, die UPnP-Funktion bei Routern zu deaktivieren, um zu verhindern, dass Geräte im Rahmen von Botnets fĂźr Denial-of-Service-Attacken missbraucht werden kĂśnnen.cite-ref-10[10]
⢠Wie das BKA am 30. Dezember 2014 mitteilte, war es nach vorangehenden Ermittlungen gelungen, ein Botnetz zu zerschlagen. Es habe aus 11.000 Computersystemen aus ßber 90 Staaten bestanden, wovon sich mehr als die Hälfte der infizierten Systeme in Deutschland befunden habe. Durch Zusammenarbeit mit dem BSI, dem Fraunhofer-Institut (FKIE) sowie zwei deutschen Antivirenherstellern sei es gelungen, die Computerinhaber, deren Computer Teil des Botnetzes waren, ßber ihre Telekommunikationsdiensteanbieter zu benachrichtigen, ihnen Hilfestellung bei der Bereinigung der infizierten Rechner zu geben sowie Hinweise zur Anzeigenerstattung zu erteilen.cite-ref-11[11]
⢠Europäische PolizeibehĂśrden und Softwarefirmen haben im Februar 2015 ein weltweites Botnetz namens âRamnitâ mit mehr als drei Millionen befallenen Computern zerschlagen, die hauptsächlich in GroĂbritannien standen. âRamnitâ war dazu verwendet worden, Millionen PasswĂśrter und Bankdaten zu erbeuten. Auch Softwarefirmen wie Microsoft, Symantec und AnubisNetworks waren an der Zerschlagungsaktion beteiligt, die von der europäischen PolizeibehĂśrde Europol in Den Haag geleitet wurde. An der Aktion hatten sich Polizisten aus Deutschland, Italien, den Niederlanden und GroĂbritannien beteiligt. Es sei laut Einsatzleiter Paul Gillen gelungen, die Kontrollserver der Hacker in mehreren europäischen Staaten auszuschalten. Die Täter hätten die Kontrolle Ăźber ihre Infrastruktur verloren, sagte er. Seit 2012 habe das Botnetz existiert und die Schadsoftware, um die Computer ins Botnetz einzugliedern, sei Ăźber Links in Spam E-Mails oder durch infizierte Webseiten auf die Computer gelangt.cite-ref-12[12]
⢠Wissenschaftlern der Ben-Gurion-Universität im Negev, die in den âDeutsche Telekom Innovation Laboratoriesâ forschen, ist es im Februar 2016 gelungen, ein Programm zu entwickeln, das Botnetze mittels Honeypots aufspĂźren kann. Dudu Mimran, Technischer Leiter der âInnovationLabs@BGUâ, erklärte, dass ein Durchbruch in der automatischen Erkennung von Botnetzen gelungen sei. Es sei mit dem Programm feststellbar, ob ein Angriff von einer realen Person oder einem Bot ausgeht. So konnte man schlieĂlich (durch maschinelles Lernen) Algorithmen entwickeln, die zum AufspĂźren von sechs verschiedenen Botnetzen fĂźhrten, so dass die StrafverfolgungsbehĂśrden informiert werden konnten.cite-ref-13[13]
⢠Ende 2016 wurde unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Verden in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt fßr Sicherheit in der Informationstechnik, Eurojust, Europol, dem FBI, Fraunhofer FKIE und weiteren Partnern die Botnetzinfrastruktur Avalanche zerschlagen.cite-ref-network-dismantled-14-0[14] Im Rahmen des Takedowns erfolgte die Beschlagnahme von mehr als 800.000 Domains.cite-ref-network-dismantled-14-1[14]
⢠Seit August 2020 gibt es eine Ăśffentlich zugängliche Enzyklopädie der israelischen IT-Sicherheitsfirma Guardicore. Die Basisdaten fĂźr die Botnet-Enzyklopädie stammen aus dem Guardicore Global Sensors Network â ein Netzwerk der Firma von Erkennungssensoren, die weltweit in Rechenzentren und Cloudumgebungen eingesetzt werden. Guardicore mĂśchte so potentielle Bedrohungen Unternehmen an einen zentralen und gratis zugänglichen Ort zur VerfĂźgung stellen.cite-ref-15[15]
GrĂśĂte Botnetze
| Bekannt seit | Abgeschaltet seit | Name | Maximale Botzahl | Milliarden Spammails pro Tag | Weitere Namen, Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| Mai 2009 | Oktober 2010 [ 16 ] | BredoLab | 30.000.000 [ 17 ] | 3,6 | Oficla |
| Mai 2009 [ 18 ] | Dezember 2009 [ 18 ] | Mariposa | 13.000.000 [ 19 ] | ? | Bots in 190 Ländern; sammelte Daten von ßber 800.000 Internetnutzern, u. a. Website-Zugangsdaten [ 20 ] |
| Oktober 2008 | â | Conficker | 9.000.000 [ 21 ] | ? | DownUp, DownAndUp, DownAdUp, Kido |
| 2006 | März 2011 [ 22 ] | Rustock | 1.700.000 [ 23 ] | 44,1 [ 23 ] | RKRustok, Costrat |
| Januar 2007 [ 24 ] | â | Cutwail | 1.600.000 [ 25 ] | 74 [ 26 ] | Pandex, Mutant, Pushdo |
| März 2007 | â | Srizbi | 1.300.000 [ 27 ] | 60 [ 28 ] | Cbeplay, Exchanger |
| Juni 2017 | | Sivad | 1.100.000 | ? | Bitcoin miner, keylogger |
| ? | Juli 2012 | Grum | 1.100.000 [ 24 ] | 39,9 | Tedroo |
| 2004 | â | Bagle | 780.000 [ 25 ] | 17,3 [ 25 ] | |
| August 2009 [ 23 ] | â | Maazben | 770.000 [ 23 ] | 4,8 [ 23 ] | |
| ? | â | Gheg | 500.000 [ 27 ] | 0,44 [ 25 ] | Tofsee, Mondera |
| ? | â | Kraken | 400.000 [ 29 ] | 9 | Kracken |
| ? | â | Bobax | 370.000 [ 23 ] | 14,6 [ 25 ] | Bobic, Oderoor, Cotmonger |
| Ende 2009 [ 30 ] | â | Lethic | 350.000 [ 30 ] | 2 [ 30 ] | |
| August 2009 | â | Festi | 220.000 [ 25 ] | 1,4 [ 25 ] | |
| ? | â | Mega-D | 180.000 [ 24 ] | 10 | Ozdok |
| ? | â | Torpig | 180.000 [ 31 ] | ? | Sinowal, Anserin |
| Januar 2007 | â | Storm | 160.000 | 3 | Nuwar, Peacomm, Zhelatin |
| ? | â | Donbot | 125.000 [ 32 ] | 0,8 | Buzus, Bachsoy |
| November 2008 | Februar 2010 [ 33 ] | Waledac | 80.000 | 1,5 | |
| März 2009 [ 23 ] | â | Cimbot | 48.000 [ 23 ] | 1,9 [ 23 ] | |
| ? | Juli 2012 [ 34 ] | Grum | 120.000 [ 34 ] | 18,0 [ 34 ] | |
| September 2011 | â | Flashback | 670.000 [ 35 ] | ? | Flashfake |
| Juni 2013 | | Star Wars Botnet | 350.000 [ 36 ] | | |
Käufliche Nutzung von Botnetzen
In vielen Foren wird offen fĂźr die Umsetzung von Bot-Angriffen geworben. Die Preise fĂźr 24-Stunden-Angriffe schwanken zwischen 50 und einigen tausend Dollar.cite-ref-37[37]
Siehe auch
⢠Software-Agent
⢠Bamital, 2013 von Microsoft und Symantec nach umfangreichen Ermittlungen und auf der Basis eines Gerichtsbeschlusses vom Netz genommenes Botnet
Literatur
⢠Ken Dunham, Jim Melnick: Malicious bots. An inside look into the cyber-criminal underground of the internet. CRC Press, Boca Raton FL u. a. 2009, ISBN 978-1-4200-6903-7 (An Auerbach Book).
⢠Wenke Lee (Hrsg.): Botnet detection. Countering the largest security threat. Springer, New York u. a. 2008, ISBN 978-0-387-68766-7.
⢠Craig A. Schiller, David Harley, Gadi Evron, Carsten Willems, Tony Bradley, Michael Cross, David Dagon: Botnets. The killer web app. Syngress, Rockland MA 2007, ISBN 1-59749-135-7.
⢠Daniel Baier: Botnetze - Funktion, Erkennung und Entfernung. In: Penetration Testing II. 2009 (remoteshell-security.com [PDF; 639 kB; abgerufen am 10. Oktober 2022]).
⢠Bruce Schneier: The Storm Worm. In: Schneier on Security. 4. Oktober 2007 (englisch, schneier.com [abgerufen am 10. Oktober 2020]). (Deutsche Ăbersetzung bei q-vadis.net)
⢠Paul Barford, Vinod Yegneswaran: An Inside Look at Botnets. University of Wisconsin, Madison 2007 (englisch, wisc.edu [PDF; 138 kB; abgerufen am 10. Oktober 2022]).
⢠Julian B. Grizzard, Vikram Sharma, Chris Nunnery, Brent Byung Hoon Kang, David Dagon: Peer-to-Peer Botnets: Overview and Case Study. 2007 (englisch, usenix.org [abgerufen am 10. Oktober 2022]).
Weblinks
⢠Botnetze (Memento vom 10. März 2017 im Internet Archive), RUS-CERT an der Universität Stuttgart
⢠The Strange Tale of the Denial of Service Attacks Against GRC.COM (Memento vom 28. November 2007 im Internet Archive) (englisch)
Einzelnachweise
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cite-note-22. â Botnetze: 40 Prozent der PC in Deutschland infiziert 2. März 2015 Spiegel Online Abruf 13. Mai 2016.
cite-note-bsi-33. â Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2015 Bundesamt fĂźr Sicherheit in der Informationstechnik (PDF; 1,39 MB)
cite-note-44. â Michael Schrenk: Geständnisse eines Botnetz-Programmiers (Memento vom 28. April 2013 im Internet Archive). In: Admin-Magazin, Heft 02/2013.
cite-note-55. â C&C (command and control) â ITWissen.info, am 27. Oktober 2014
cite-note-66. â Statistische Daten, erhoben von Team Cymru, zitiert nach: Steve Santorelli, Levi Gundert: Safety net â Cybercriminals adapt to new security measures. In: Janes Intelligence Review. März 2009, S. 40.
cite-note-77. â BSI â BADBOX. Bundesamt fĂźr Sicherheit in der Informationstechnik, abgerufen am 9. November 2024.
cite-note-88. â Vitaly Kamluk: Botnet â Geschäfte mit Zombies. In: Securelist. Kaspersky Labs GmbH, 13. Mai 2008, abgerufen am 12. Februar 2016.
cite-note-99. â botfrei.de Jahresstatistik 2014: Wieder mehr Zombierechner am Netz. In: Pressemeldungen. eco â Verband der Internetwirtschaft e. V., 2. März 2015, abgerufen am 10. Juni 2023.
cite-note-1010. â Der Bot im Babyfon (Memento vom 28. Oktober 2016 im Internet Archive), Bundesamt fĂźr Sicherheit in der Informationstechnik vom 24. Oktober 2016, abgerufen am 27. Oktober 2016.
cite-note-1111. â Erfolgreicher Schlag gegen Cyberkriminelle â BKA iniitiert Deaktivierung eines Botnetzes. In: Pressemitteilungen. Bundeskriminalamt, 30. Dezember 2014, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂźgbar) am 15. Februar 2016; abgerufen am 12. Februar 2016.
cite-note-1212. â Polizei gelingt Schlag gegen weltweiten Hackerring. In: Die Welt â Digital Cyberkriminalität. WeltN24 GmbH, 25. Februar 2015, abgerufen am 12. Februar 2016.
cite-note-1313. â Ulla Thiede: Jeder zehnte PC ist ein âZombieâ. In: General-Anzeiger â Kriminalität im Internet. Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsanstalt H. Neusser GmbH, 5. Februar 2016, abgerufen am 17. Februar 2016.
cite-note-network-dismantled-1414. â âAvalancheâ network dismantled in international cyber operation. In: Pressemitteilungen. Europol, 1. Dezember 2016, abgerufen am 6. Juni 2018.
cite-note-1515. â Frei verfĂźgbare Botnet-Enzyklopädie - PSW GROUP Blog. Abgerufen am 7. September 2020 (deutsch).
cite-note-161. Spion schluckt Spion. In: heise.de. 26. Oktober 2010, abgerufen am 10. Juni 2023.
cite-note-172. BredoLab downed botnet linked with Spamit.com. Infosecurity (UK)
cite-note-mariposa-183. Matt Thompson: Mariposa Botnet Analysis. (PDF; 340 kB) In: Defence Intelligence. 8. Oktober 2009, archiviert vom Original; abgerufen am 19. März 2011 (englisch).
cite-note-194. Computerkriminalität: Spanische Polizei hebt riesiges Bot-Netzwerk aus. Spiegel Online
cite-note-gbs-205. Botnetze: Dunkler Angriff durch Zombie-Rechner GBS Blog
cite-note-216. Calculating the Size of the Downadup Outbreak, F-Secure Weblog
cite-note-227. Bert Ungerer: Rustock-Botnetz auĂer Gefecht. In: heise.de. 18. März 2011, abgerufen am 10. Juni 2022.
cite-note-messagelabs2010-238. MessageLabs Intelligence: 2010 Annual Security Report. (PDF) Abgerufen am 14. Januar 2011.
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cite-note-messagelabs2009-2510. MessageLabs Intelligence: 2009 Annual Security Report. (PDF) Abgerufen am 14. Januar 2011.
cite-note-2611. Pushdo Botnet â New DDOS attacks on major web sites. (Memento vom 16. August 2010 im Internet Archive) Harry Waldron â Computer Security News
cite-note-messagelabs2008-2712. 2008 Annual Security Report. (PDF) MessageLabs Intelligence, abgerufen am 14. Januar 2011.
cite-note-2813. Spam on rise after brief reprieve. BBC News | Technology
cite-note-2914. Kelly Jackson Higgins: New Massive Botnet Twice the Size of Storm. In: Dark Reading. 7. April 2008, abgerufen am 18. Juni 2023 (englisch).
cite-note-messagelabsapr2010-3015. messagelabs.com (PDF)
cite-note-3116. Researchers hijack control of Torpig botnet (Memento vom 11. Mai 2011 im Internet Archive), SC Magazine US
cite-note-3217. Joe Stewart: Spam Botnets to Watch in 2009. In: Secureworks. 13. Januar 2009, abgerufen am 10. Juni 2023 (englisch).
cite-note-3318. Bert Ungerer: Ein Botnetz geht, der Spam bleibt. In: heise.de. 1. März 2010, abgerufen am 10. Juni 2023.
cite-note-golem2012-3419. Botnetz Grum abgeschaltet. In: golem.de. Abgerufen am 12. Juli 2012.
cite-note-3520. Kai Schmerer: Botnetz OSX/Flashback: Der Mac hat seine Unschuld verloren. In: ZDNet. 10. April 2012, abgerufen am 1. September 2024 (deutsch).
cite-note-3621. Das bisher grĂśĂte Social-Botnet wurde entlarvtâes twittert nur Ăźber Star Wars. In: Vice. 13. Januar 2017, abgerufen am 25. März 2020.
cite-note-3737. â Schattenwirtschaft Botnetze â ein Millionengeschäft fĂźr Cyberkriminelle. Viruslist.com, 22. Juli 2009.